Die Welt von Serge Lutens

Zusammen mit 4 weiteren Bloggerinnen war ich Anfang des  Monats zu Gast in der Shiseido Academy in Düsseldorf. Shiseido ist eng verbunden mit Serge Lutens, um dessen Düfte und Make up Linie es an diesem Tag gehen sollte.
In Deutschland kennt man vor allem seine außergewöhnlichen Parfums. Der Bekanntheitsgrad hält sich außerhalb von Fachkreisen und Stammkunden aber in Grenzen, was vor allem an Serge Lutens selbst liegt, der als ruhiger, bescheidener Mensch gilt. Deshalb waren wir erstaunt, wie viel Einfluss Serge Lutens im Laufe seines Lebens tatsächlich auf Make up und Düfte, wie wir sie heute kennen, genommen hat.

  

Der inzwischen 72 jährige Serge Lutens stammt aus Frankreich, wo er 1956 mit 14 eine Ausbildung zum Friseur begann. Er machte später den sehr kurzen und akkurat geschnittenen Bob in Frankreich populär. Zu einer Zeit, in der Frauen für gewöhnlich lange Haare trugen kam dies einer Revolution gleich und die Kundinnen mussten teilweise 6 Monate auf einen Termin bei ihm warten.

Anfang der 60er zog er nach Paris und arbeitete für die Magazine Vogue, Elle, Jardin des Modes und Harper’s Bazaar mit den größten Fotografen seiner Zeit. Seine Vorstellung von Make up und Weiblichkeit überzeugte und so kam es, dass Christian Dior sich 1967 an ihn wandte, um die erste Make up Kollektion der Marke auf den Markt zu bringen. 12 Jahre arbeitet Serge Lutens für Dior und entwarf für die damalige Zeit völlig neue Farbwelten, beispielsweise Lidschatten in Blau und Gelb, Farben, die heute nahezu jedes Kosmetikunternehmen im Sortiment führt, die damals aber als höchst ungewöhnlich galten.

1968 machte Serge Lutens Urlaub in Marokko. Das Land faszinierte ihn so sehr, dass aus den geplanten drei Wochen schnell drei Monate wurden, während man in Frankreich sehnlichst auf seine Rückkehr wartete. 1974 zog er dann endgültig nach Marrakesch wo er nach und nach ein richtiges Schloss aufbaute. Beeindruckende Bilder dazu findet ihr »hier. Von da an ließ er sich von den Farben und Düften Marokkos, und später auch von Reisen nach Japan, inspirieren, was sich später vor allem in seinen Düften wieder spiegelt.

Anfang der 80er veröffentlicht er sein erstes von bis heute drei Büchern, gefüllt mit Fotografien, und entwarf eine Make up Linie für das Unternehmen Shiseido, für welches er ab 1980 20 Jahre arbeitet. 1992 kreierte er das erste Parfum für Shiseido, welches das erste EdP überhaupt war, das auf holzigen Noten basiert. Féminité du Bais war der Bestseller von Shsieido bevor es 2009 wieder unter dem Namen Serge Lutens lief. 1992 wurde nur für dieses eine Parfum das Palais Royal in Paris eröffnet, ein ganzes Geschäft nur für einen einzigen Duft.
2000 wurde Serge Lutens letztendlich selbst zur Marke und brachte Düfte und eine kleine Make up Kollektion unter seinem eigenen Namen heraus.


Nach dem wir einiges über das beeindruckende Leben von Serge Lutens erfahren hatten, schnupperten wir uns durch seine Düfte. Diese sind allesamt unisex, denn Duft ist laut Serge Lutens weder weiblich noch männlich. Auffällig ist vor allem, dass die Düfte sehr unkonventionell sind. Während viele Düfte anderer Hersteller ähnlich riechen und nur auf blumige, fruchtige oder holzige Komponenten zurückgreifen, finden sich in den Düften von Serge Lutens auch metallische Noten, Gestein, Weizen, Aprikosenkerne oder Tabak.
Letztendlich durfte jede von uns sich ihren persönlichen Lieblingsduft aussuchen. Ich habe mich für Clair de musc entschieden, ein auf Moschus basierender Duft, der das Funkeln der Sterne wiederspiegeln soll. Ich liebe ihn und werde ihn euch demnächst noch genauer vorstellen.

Anschließend gab es unheimlich leckeres Essen, dass ich bereits zuhause nachgekocht habe. Bilder davon gab es auf Instagram, falls es euch interessiert. Wir haben uns sehr nett unterhalten bevor wir dann in den nächsten Teil des Programms starteten – das Make up!

  
  

Die Make up Kollektion ist ebenso übersichtlich wie hochpreisig. Die Produkte, die in Deutschland exklusiv nur in drei Geschäften in Berlin und online direkt aus Frankreich (»hier) verkauft werden, sind größtenteils handgearbeitet. So werden zum Beispiel die Puder von Hand gepresst. Die Verpackungen sind sehr schlicht gehalten und es befindet sich kein Logo darauf, was die Exklusivität und den Geheimtipp-Charakter noch unterstreicht. Viele der Produkte werden auch als Nachfüll-Produkte angeboten, wie beispielsweise die Puder und Lippenstifte.
Farblich ist die Kollektion eher dunkel und gedeckt gehalten. Es dominieren Schwarz, Weiß, Grau, Rot und Violett. Nur bei den Lippenstiften gibt es einige Ausreißer wie Pink und helles Rosa. Die größte Farbauswahl gibt es bei den Lippenstiften und der Puderfoundation. Was Lidschattenpaletten und Nagellacke angeht gibt es dagegen jeweils nur zwei Farbvarianten. Natürlich darf auch weißes Puder, wie Serge Lutens es selbst gern trägt und häufig für seine Modelle verwendet, nicht fehlen.

Um den Nachmittag ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten wurden wir nun gebeten, einen Look im Stil von Serge Lutens zu schminken. Als Anreiz sollte es sogar einen Gewinn für das beste Ergebnis geben.
Müsste ich seinen Stil beschreiben kämen mir vor allem Worte wie Abstrakt, Dunkel, Geisha, Spitze und Ausdrucksstark in den Sinn- ich meine sogar einige Steampunk-Elemente in einigen seiner Bilder ausmachen zu können. Gerade bei seinen älteren Werken sind aber auch viele sehr bunte Bilder dabei, die schon fast ein wenig an Zirkus erinnern.
Ich habe mich, passend zu Serge Lutens, für ein eher unkonventionelles Make up entschieden. Es hat riesigen Spaß gemacht, auch wenn es teilweise etwas komplizierter war, so ganz ohne die gewohnten Pinsel. Mit Applikatoren und Wattestäbchen ist aber dennoch bei allen etwas Schönes entstanden. Ich werde den Look demnächst noch einmal nachschminken und Fotos machen, er gefiel mir nämlich ganz gut. Ich habe mich dann sehr gefreut, dass der Look nicht nur mir gefiel. Franzi und ich haben gewonnen und durften je ein weiteres Parfum und eine Lippenstiftpalette mit nach Hause nehmen. Dazu durften wir alle 5 uns noch jeweils ein Produkt aussuchen.
Anschließend haben wir den Tag gemütlich ausklingen lassen.

Ich bin wirklich überrascht, dass Serge Lutens offenbar einen so großen Einfluss auf die Kosmetikindustrie hatte, wie wir sie heute kennen, und er trotzdem unter normalen Verbrauchern relativ unbekannt ist. Die Exklusivität der Marke und die ruhige Art Serge Lutens’ werden daran einen wesentlichen Anteil haben. Es war ein wirklich gelungener und spannender Tag und ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich beim Team von Serge Lutens bedanken. Auf die Produkte selbst werde ich demnächst noch näher eingehen.

Mit dabei waren Franzi, Lu, Diana und Shia.




1
Teilen:

4 Kommentare

  1. 20. Mai 2014 / 11:29

    Ich kenne den Namen aus einem Forum, aber selbst konnte ich bis jetzt noch nichts damit anfangen bzw. sind mir seine Produkte noch nie begegnet; danke für die Beleuchtung der Marke.
    Nischendüfte sind ja was feines, da man sich damit noch ein bißchen Individualität bewahren kann und die Chance -relativ- gering ist, auf einen "Duftzwilling" zu treffen wie im Mainstream.
    Bin gespannt, was Du zu Deinem Duft sagst. LG und eine schöne Woche.

  2. Anonym
    20. Mai 2014 / 20:02

    Bisher habe ich noch nichts davon gehört. Es war aber durchaus interessant das zu lesen.
    Allerdings habe ich mich auf der Internetseite herum getrieben und die Preise für die dekorative Kosmetik angeschaut und ich muss gestehen, dass ich sprachlos bin. Und das meine ich keineswegs positiv; ich bin mehr oder weniger schockiert. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass handgefertigte Produkte etwas mehr kosten (aber Du sagtest ja, dass nicht alles handgefertigt ist). Aber 160€ für 8 Gramm Puder? Ich weiß ja nicht… Das stachelt natürlich die altbekannte Diskussion an, ob Makeup High End oder High Street sein soll. Geld spricht nicht immer für Qualität, siehe Gesichtspflegeprodukte. In vielen Fällen schneiden die höherpreisigen Cremes sehr schlecht ab, da die Inhaltsstoffe ihr Geld nicht wert sind. Ich muss dazu sagen, dass ich jemand bin, der auch mal gerne mehr für Makeup bezahlt (so besitze ich viel von Chanel, Dior, YSL, Guerlain und co., dennoch aber auch einiges aus dem Drogeriebereich). Aber 160€ für 8 g Puder sprengen wirklich alles. Abgesehen davon, dass das Puder von Hand gepresst wird: Da wird nicht viel aAnderes drin sein als in anderen Pudern….

    Entschuldige mein Abschweifen, da ich aber noch nie mit so einem Preis konfrontiert wurde, musste ich mal ein wenig Dampf ablassen :-P.

    Dennoch freue ich mich für dich, dass Du das alles ausprobieren konntest. 🙂 Dann hast Du ja einiges an Geld gespart.

    Liebe Grüße.
    Tina

  3. 21. Mai 2014 / 4:33

    Guten Morgen Tina,
    ich kann gut verstehen, was du meinst. Ähnlich geschockt bin ich oft, wenn ich höre, das andere Handtaschen kaufen, für dessen Preis ich mir einen Gebrauchtwagen leisten könnte. Es ist wirklich eine extrem exklusive Marke. Serge Lutens ist vor allem in Fachkreisen und unter Prominenten sehr angesagt. In Amerika ist die Make up Linie übrigens bekannter als hier. Die Preise der Düfte hingegen finde ich aber ok. Zwar sind sie nicht billig aber sie bewegen sich in einem durchaus üblichen Rahmen, wenn auch an der oberen Grenze.
    Im Grunde muss natürlich jeder selbst wissen, wofür er sein Geld ausgibt. Es war auf jeden Fall sehr spannend, mal reinschnuppern zu dürfen.

  4. 29. Mai 2014 / 9:13

    Hach schade, dass die Einladung so kurzfristig kam…sonst wär ich auch gern gekommen. Sieht nach einem tollen Event aus und die Marke hätte miich auch sehr interessiert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.