Gelesen im März
Offline & Peter Pan

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Man könnte ja meinen, dass ich während des Shut Downs in den letzten Wochen jede Menge Zeit zum Lesen gehabt hätte. Leider war dem nicht so. Auch mein Mann und unsere Tochter waren daheim und es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren, wenn in meiner Umgebung immer jemand redet oder der Fernseher läuft. Gern habe ich deshalb die Abende genutzt, wenn mein Mann beschäftigt und unsere Tochter im Bett war. Nachdem mir aber eines der beiden Bücher, die ich euch heute vorstelle, ein paar wirklich fiese Albträume beschwert hat, habe ich dann doch lieber versucht, es tagsüber zu lesen, wodurch ich nur langsam voran kam. Das zweite Buch ist ein Klassiker, den ich in den letzten Wochen unserer Tochter vorgelesen habe. Das heute als Kinderbuch bekannte Werk wurde ursprünglich für Erwachsene geschrieben und ist mehr als nur eine nette Gute-Nacht-Geschichte.

 

 

Rezension Buch Offline Arno Strobel

Offline von Arno Strobel

Im März stellte ich euch das Buch “Achtsam morden” vor, welches mir richtig gut gefallen hatte. Es machte Lust auf mehr; der Nachfolger jedoch erscheint erst im Sommer. Ich ging also in den hiesigen Buchladen und fragte, ob sie mir etwas Ähnliches empfehlen könnten. Man legte mir “Offline” ans Herz. Ich las den Klappentext und hatte nicht den Eindruck, dass dieser Roman auch nur annähernd wie “Achtsam morden” wäre. Ich sah mir noch ein paar andere Bücher an, fand aber keine passable Alternative. Also ließ ich es darauf ankommen und entschied mich schließlich doch für “Offline”. Große Erwartungen hatte ich nicht an das Buch. Für mich klang die Geschichte recht klischeehaft: eine überschaubare Gruppe Menschen, die sich an einem Ort befinden, von dem es zeitweise kein Entkommen gibt, ein Mord und die große Frage, wer es gewesen sein könnte. Langweilig. Tausendfach gelesen bzw. gesehen. Oder etwa doch nicht?

 

Du wolltest nicht erreichbar sein. Jetzt sitzt du in der Falle.

“Fünf Tage ohne Internet. Raus aus dem digitalen Stress, einfach nicht erreichbar sein. Digital Detox. So das Vorhaben einer Gruppe junger Leute, die dazu in ein ehemaliges Bergsteigerhotel auf den Watzmann in 2000 Metern Höhe reist. Aber am zweiten Tag verschwindet einer von ihnen und wird kurz darauf schwer misshandelt gefunden. Jetzt beginnt für alle ein Horrortrip ohne Ausweg. Denn sie sind offline, und niemand wird kommen, um ihnen zu helfen …”

(Klappentext)

 

Das Reiseunternehmen Triple-O-Journey bietet einen Urlaub der etwas anderen Art: eine Pause vom digitalen Alltag. Raus aus dem Stress und rein in die idyllische, friedliche Bergwelt – einfach mal ausspannen und sich davon lösen, permanent erreichbar sein zu müssen. Eine kleine Reisegruppe findet sich zusammen, um das Experiment zu wagen. Im Fokus der Geschichte steht Jenny, aus deren Sicht der Leser dem Geschehen die meiste Zeit über folgt. Außer ihr sind zwölf weitere Personen dabei, unter anderem ein schlagfertiger Sonnyboy, ein zwielichtiger Hausmeister, eine herrische Ehefrau, der dazugehörige Ehemann, der seiner Frau nach dem Mund redet, und ein unsportlicher Nerd.

Ein Schneesturm sorgt dafür, dass die Gruppe in dem Hotel festsitzt. Zunächst ist das kein Problem – bis einer der Dreizehn am nächsten Morgen verschwunden ist und wenig später grausam zugerichtet aufgefunden wird.

 

Das Grundprinzip mag vielleicht nicht neu sein, aber es ist nicht ohne Grund ein Klassiker. In “Offline” kreiert Arno Strobel eine Stimmung, die ich alles andere als langweilig fand. Zwar waren manche Charaktere ein wenig farblos, andere hingegen waren dafür um so interessanter. Ich fand es spannend zu sehen, wie sie mit dieser Extremsituation umgehen. Die Taten an sich haben mir einen Schauer über den Rücken gejagt. Teilweise taucht der Leser auch in die Gedankenwelt des gepeinigten Opfers ab, was die Abscheulichkeit der Taten besonders hervorhebt.

In manchen Rezensionen, die ich gelesen habe, hieß es, das Buch sei sehr vorhersehbar. Ich muss jedoch gestehen, dass ich bis zum Schluss nicht sicher war, der der Täter ist. Alles in allem hat “Offline” meine Erwartungen übertroffen. Mit “Achtsam morden” hat es zwar tatsächlich nichts gemein, aber es war ein kurzweiliges Lesevergnügen.

 

 

Peter Pan von J. M. Barrie

Nachdem meine Tochter und ich vor Kurzem die Mary Poppins Bücher gelesen haben, hatten wir Lust auf weitere Kinderklassiker. Also landete Peter Pan kurzerhand auf der Wunschliste. Die Geschichte kennt sicherlich jeder – zumindest die Disney-Variante. Wer jedoch die Bücher von Mary Poppins kennt, weiß, dass sich die Geschichten sehr von den Disney-Verfilmungen unterscheidet. Hierzu gibt es übrigens auch einen schönen Film: Saving Mr. Banks. Nun waren wir gespannt, wie sehr Disney sich bei Peter Pan an das Original gehalten hat.

 

Auf nach Nimmerland!

“Peter Pan, die Geschichte vom Jungen, der nicht erwachsen werden wollte – ursprünglich für Erwachsene geschrieben – ist heute einer der großen Klassiker der Kinderbuchliteratur. Generationen von Lesern haben begeistert die Abenteuer des fliegenden Jungen verfolgt, der Wendy und ihre Brüder mit nach Nimmerland nimmt, wo sie gemeinsam gegen den bösen Kapitän Hook kämpfen.”

(Klappentext)

 

Im Großen und Ganzen beginnt die Geschichte, wie wir sie von Disney kennen. Peter hat seinen Schatten verloren und findet ihn im Kinderzimmer der Darlings. Er trifft Wendy, die völlig fasziniert von Peter ist. Und auch die Elfe Gypsy Bell, ja, der Name ist etwas anders, hat es ihr angetan, obwohl diese wirklich nicht besonders nett ist. Die Kinder fliegen mit Peter und Gypsy Bell nach Nimmerland und das Abenteuer beginnt. Dort leben neben den verlorenen Jungen auch Indianer und Piraten und das ein oder andere Zusammentreffen wird beschrieben. Im Fokus stehen jedoch weniger die Abenteuer als Peter Pan und Kapitän Hook selbst. Die beiden Charaktere werden eingehend beleuchtet und es zeigt sich schnell, dass sie gegensätzlicher kaum sein könnten. Peter hat einen sehr kindlichen Blick auf die Welt, die sich ganz allein um ihn zu drehen scheint. Er handelt unüberlegt, egoistisch und impulsiv und vergisst alles, was länger als ein paar Tage, manchmal auch nur Stunden, her ist. Er sieht sich als Anführer der verlorenen Jungen und erwartet Gehorsam. Dies ist wohl das einzige, was ihn und Hook verbindet, der als Kapitän über die anderen Piraten herrscht. Hook wird als der typische Erwachsene dargestellt, der nach außen selbstsicher und stark wirken muss, innerlich jedoch mit seiner Unsicherheit zu kämpfen hat. Am wichtigsten ist ihm guter Stil. Anders als Peter legt er Wert darauf, was andere von ihm denken. Er handelt überlegt und setzt alles daran, sein Ziel, Peter zu töten, zu erreichen. Der Grund, wieso er es auf den Jungen abgesehen hat, ist der, dass er sich von Peters Jugend und Leichtsinnigkeit bedroht fühlt.

 

 

 

 

Das ganze Buch dreht sich also weniger um die Abenteuer in Nimmerland, sondern wirkt vielmehr, als wolle es zwischen Erwachsenen und Kindern vermitteln und ihnen erklären, wieso der jeweils andere tut, was er tut. Im Buch ist das Bindeglied zwischen der Welt der Kinder und der Welt der Erwachsenen die Liebe einer Mutter, die Wendy und ihre Brüder schließlich auch wieder nachhause führt. So tritt der Autor auch immer wieder ein Stück zurück und wendet sich direkt an die Leser um ihnen zu zeigen, wie herzlos die Kinder doch sind und wie sehr sie ihre Eltern ausnutzen, die ihre Kinder jedoch trotzdem immer lieben werden. In Nimmerland gibt es keine Mütter, weshalb sich hier Erwachsene bzw. Piraten und Kinder quasi in zwei verfeindete Lager gespalten haben.

Peter, der keine Eltern hat, denkt nur an sich und möchte, dass die Kinder bei ihm bleiben, damit er seinen Spaß haben kann. In manchen Interpretationen wird er sogar als Todesengel dargestellt, der Kinder, die gestorben sind, nach Nimmerland bringt. Dies würde auch erkläre, wieso die Kinder nicht altern.

 

Peter Pan wurde ursprünglich für Erwachsene geschrieben und ich finde, das merkt man dem Buch auch an. Liest man es als Kind, liegt der Fokus sicherlich auf den Abenteuern der Kinder, auch, wen die überwiegend nur angerissen werden. Auf mich als Erwachsene wirkt es aber beinahe philosophisch und lässt jede Menge Interpretationsspielraum. Im Übrigen werden im Buch stellenweise recht brutale Szenen beschrieben, die sicherlich nicht für jüngere Kinder geeignet sind.

Peter Pan ist ein sehr interessantes Werk, aber für meine Begriffe kein typisches Kinderbuch. Lesenswert fand ich es dennoch, weil mich die Geschichte in ihrer Tiefe überrascht hat und mir der Erzählstil gut gefallen hat.

 

 

Kennt ihr eines der beiden Bücher? Wenn ja, wie findet ihr sie? Und was habt ihr im März gelesen?

 

Melanies Unterschrift2
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3 Kommentare

  1. Sabine Kettschau
    4. April 2020 / 14:11

    Hallo liebe Mel!
    Lustig, dass man Dir den Strobel empfohlen hat. Wäre mir als Alternative auch nie in den Sinn gekommen. Wobei ich seine Bücher sehr mag! Offline steht noch ungelesen im RuB.

    Peter Pan ist Urzeiten her… eher im Gedächtnis ist mir zu dem Thema “Der Kinderdieb” von Brom. Und das ist definitiv für Erwachsene und ein ganz besonderes Buch.

    Mein März war lesetechnisch durchwachsen. Wobei ich ja auch noch erneut ins KH musste und da die ersten Tage überhaupt nicht den Kopf zum Lesen hatte.

    Aber es gab dennoch einiges. Erebos 2 von Ursula Poznanski (Jugend-Thriller), Opferfluss von Lorenz Stassen (Thriller, aber ich finde eher Krimi) und dann den vorletzten Teil meiner Lieblingsreihe “Die Seelenspringerin. Dämonenbrut” von Sandra Florean.

    Und jetzt bin ich gerade angefangen mit Hangman von Daniel Cole, dem 2. Teil der Reihe.

    Ich bin ja noch was daheim, da kann ich gut lesen 😉

    Liebste Grüße und pass gut auf Dich auf

    Bine

  2. 4. April 2020 / 16:21

    Liebe Bine,
    danke für die Inspiration! Da sind viele interessante Titel bei. Ich habe hier zwar gerade viele Bücher liegen, aber besonders die Reihe von Daniel Cole werde ich mir auf jeden Fall nochmal ansehen. 🙂
    Ein schönes Wochenende!
    Melanie

  3. Elisabeth-Amalie
    7. April 2020 / 10:52

    Ich habe noch keines der beiden Bücher gelesen aber “Offline” finde ich doch ziemlich interessant, muss ich sagen. 🙂 Das schreibe ich mir mal auf meine Ausleih-Liste. <3

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