Gelesen im Mai
Die Kerner & Oswald Reihe von Andreas Winkelmann

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Heute erscheint der neue Thriller von Andreas Winkelmann im Rowohlt Verlag. “Der Fahrer” ist der dritte Band aus der Kerner und Oswald Reihe nach “Das Haus der Mädchen” (2018) und “Die Lieferung” (2019). Ich habe mich sehr darüber gefreut, ihn vorab lesen zu dürfen. Und weil es mir, soviel sei bereits verraten, sehr gut gefallen hat, habe ich im Anschluss auch gleich noch die beiden Vorgänger verschlungen.

 

Im Fokus der im Hamburger Raum spielenden Buchreihe stehen das Ermittlerteam Jens Kerner und Rebecca Oswald. Jens ist Kommissar bei der Mordkommision in Hamburg. Rebecca ist seine Assistentin und zuständig für Recherche. An ihrer Seite ermitteln die Kollegen der Hamburger Polizei, sowie hin und wieder auch Außenstehende. Aber ehe ich zu sehr ins Detail gehe, sehen wir uns zunächst die Fälle an, um die es in den drei Büchern geht.

 

 

Andreas Winkelmann Der Fahrer

Das Haus der Mädchen

Du möchtest nur ein paar Tage Urlaub machen. Dir eine andere Stadt ansehen. Du mietest dich für ein paar Tage in einer Wohnung als Untermieter ein. Das reicht doch, du bist schließlich nicht da, um in einem Luxushotel zu hocken, sondern um dir die Stadt anzusehen. Kurz darauf wachst du in einem Kerker auf. Nackt. Frierend. Und alles, was du weißt, ist, dass du schweigen und gehorchen musst. Sonst bist du tot.

 

 

“Schweig, um zu leben
Leni kommt nach Hamburg, um dort ein Praktikum zu machen. Über eine Zimmervermittlung mietet sie sich in einer Villa am Kanal ein. Schnell freundet sie sich mit ihrer Zimmernachbarin an – aber die ist am nächsten Morgen spurlos verschwunden. Weil ihr das merkwürdig vorkommt, sucht sie nach ihr.

Freddy Förster, früher erfolgreicher Geschäftsmann, ist inzwischen auf der Straße gelandet. Zufällig beobachtet er, wie jemand einen Mann am Steuer seines Autos erschießt. Um nicht zum nächsten Opfer zu werden, sucht er den Mörder. Bis er auf Leni trifft, die das Verschwinden ihrer neuen Freundin nicht hinnehmen will. Bald begreifen die beiden, dass ihre beiden Fälle mehr miteinander zu tun haben, als ihnen lieb ist – und dass sie in großer Gefahr schweben…”
Klappentext

 

 

Freddy, seit Kurzem auf der Straße lebend, wird Zeuge eines eiskalten Mordes auf offener Straße. Um dem Killer, der ihn gesehen hat und seit dem sucht, zuvorzukommen, versucht er, mehr über ihn herauszufinden. Dabei stößt er auf Leni, die wiederum auf der Suche nach ihrer Zimmernachbarin ist, die von einem Tag auf den anderen verschwunden ist. Beide Vorkommnisse scheinen zusammenzuhängen und sie wenden sich an die Polizei. Diese ermittelt bereits und so fügen sich die Puzzleteile nach und nach zusammen.

 

Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven haben mir sehr gut gefallen. In vielen Thrillern betrachtet man den Fall nur aus den Augen der Ermittler. Hier und da gibt es vielleicht noch Einblicke aus Sicht des Täters oder eines Opfers. Hier jedoch gibt es eine Vielzahl von Personen, die zunächst nichts miteinander zu tun haben und nach und nach etwas zur Lösung des Falls beitragen. Dies sorgt für eine gewisse Dynamik. Zudem sind mir alle Protagonisten sehr sympathisch. Dank kurzer Abschnitte und den immer neuen Blickwinkeln macht das Lesen Spaß. Man kommt schnell voran und hat nie das Gefühl, dass eine Szene zu langatmig wäre.

 

 

Andreas Winkelmann Der Fahrer

Die Lieferung

Jemand flüstert ihren Namen, scheint immer in ihrer Nähe zu sein, die zu verfolgen. Er riecht an ihrem Haar, und wenn sie sich umdreht, ist dort niemand. Viola hat Angst. Oder bildet sie sich das alles doch nur ein? Ihre Freundin Sabine glaubt ihr. Doch plötzlich ist Sabine verschwunden.

Währenddessen ermittelt Jens Kerner im Fall einer geisterhaften, bleichen Frau, die im Wald umherirrt.

 

 

“Seit Wochen hat Viola das Gefühl, verfolgt zu werden. Es ist, als klebe ein Schatten an ihr – immer, wenn sie sich umdreht, ist er verschwunden. Bildet sie sich das nur ein? Ihre Freundin ist die einzige, die ihr glaubt. Doch dann meldet sie sich plötzlich nicht mehr. Viola bleibt jetzt abends lieber zu Hause. Zum Glück gibt es ja Netflix und den Lieferdienst. Die Pizza, die er bringt, wird für immer unangetastet bleiben…

Der Hamburger Polizeikommissar Jens Kerner hat einen merkwürdigen Fall auf dem Tisch: Eine bleiche, verstörte und vollkommen unterernährte Frau wurde in den Harburger Bergen aufgegriffen. Als er sie verhören will, stirbt sie. Gemeinsam mit seiner Kollegin Rebecca kommt er einem Täter auf die Spur, der so perfide ist, dass es alle Vorstellungen übersteigt. Als die beiden begreifen, mit wem sie es da zu tun haben, ist es schon fast zu spät…”
Klappentext

 

 

Jens ist auf der Jagd nach der “Weißen Frau” und ihrer Geschichte. Eine verwirrte junge Frau wird in den Harburger Bergen aufgegriffen, bleich und abgemagert. Sie wiederholt immer dieselben paar Worte und scheint nichts um sich herum wahrzunehmen. Zeitgleich scheint ein nahezu unsichtbarer Stalker hinter Viola her zu sein. Während Viola sich am liebsten in ihrer Wohnung verstecken würde, ergreift ihre Freundin Sabine die Initiative und begibt sich damit auf gefährlich dünnes Eis.

Rebecca ermittelt indes eigenständig in einem Vermisstenfall. Nach und nach findet sie Parallelen zu anderen Vermisstenfällen aus verschiedenen Bundesländern. Hängen die Fälle zusammen?

 

Hier haben wir erneut, wie bei “Das Haus der Mädchen” viele spannende Perspektiven: Rebecca und ihre inoffiziellen Ermittlungen, Jens und seine bleiche Frau, Viola und ihr Stalker, die Sicht des Täters und einige mehr. Gerade die Einblicke in die Kindheit und Jugend des Täters gefallen mir sehr. Ich habe beinahe Mitleid mit ihm. Seine Motivation hat schon beinahe etwas Philosophisches, was die Taten natürlich nicht weniger schrecklich macht. Bei diesem Buch konnte ich mir recht bald ein gutes Bild vom Täter machen. Dies tat der Spannung jedoch keinen Abbruch. “Die Lieferung” ist ein mitreißender Thriller, der mich bis zum Schluss gefesselt hat. Lediglich die Auflösung fand ich in diesem Fall nicht ganz rund. Dennoch habe ich das Buch ebenso verschlungen wie die beiden anderen.

 

 

Andreas Winkelmann Der Fahrer

Der Fahrer

Junge Frauen verschwinden nachts in Hamburg und tauchen einen Tag später wieder auf. Tot, in Pose gebracht und mit Leuchtfarbe bemalt. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Und die Zeit spielt gegen sie. Der einzige Anhaltspunkt: der Hashtag #findemich auf den Fahrzeugen und Instagram-Accounts der Opfer.

 

 

“Die Gestalt sitzt zusammengesunken auf einer Bank im Hamburger Stadtpark und rührt sich nicht – sie ist tot. Ihr Gesicht scheint zu leuchten – fluoreszierend im Licht der Straßenlaternen. Jemand hat die Leiche mit Leuchtfarbe angemalt.

In Hamburg treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Die Opfer: junge Frauen, die nachts unterwegs waren. Viele waren Kundinnen beim neuen Fahrdienst namens MyDriver. Aber da enden auch schon die Gemeinsamkeiten. Kommissar Jens Kerner und seine Kollegin Rebecca Oswald ermitteln fieberhaft – obwohl beide mit privaten Herausforderungen kämpfen. Jens wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert, und Rebecca versucht erfolglos, ihn in die Gegenwart – und zu sich – zu ziehen. Dann tauchen überall merkwürdige Hashtags auf. Erst auf den Privatautos der Opfer, dann an immer mehr Orten steht: #findemich – in Leuchtfarbe. Und es scheint, als wäre diese Aufforderung direkt an Jens Kerner gerichtet…”
Klappentext

 

 

Geburtstagsfeiern sind nicht Jens’ Ding. Und dann taucht auch noch ein unerwünschter Überraschungsgast aus seiner Vergangenheit auf. Gerade im unpassendsten Moment! Schlimmer kann der Abend eigentlich kaum noch werden. Aber schlimmer geht es ja bekanntlich immer. Ein leerer Wagen am Straßenrand wird gefunden. Die offen stehende Fahrertür und der mit Leuchtfarbe auf das Auto gemalte Hashtag #findemich lassen ein Verbrechen vermuten. Jens eilt seinen Kollegen vor Ort zu Hilfe und steckt plötzlich mitten in einem Wettlauf gegen die Zeit. Per Instagram stellt der potenzielle Täter der Polizei ein Ultimatum. 24 Stunden um die Fahrerin des Wagens zu finden, ehe sie zu einem “leuchtenden Beispiel für polizeiliche Inkompetenz” wird. Zudem verdichten sich die Hinweise darauf, dass der Täter irgendetwas mit Jens persönlich zu tun hat.

 

“Der Fahrer” ist spannend geschrieben. Die tickende Uhr im Hintergrund wird durch den flotten Erzählstil aufgegriffen. Die Szenen sind niemals zu lang, aber auch nicht so kurz, dass mir etwas gefehlt hätte. Ich bin ein Freund kurzer Abschnitte. Sie laden dazu ein, weiterzulesen. Frei nach dem Motto “einer geht noch”. Die Charaktere sind sympathisch und nahbar und eine Vielzahl möglicher Verdächtiger sorgte dafür, dass ich selbst bis zum Schluss im Dunkeln tappte. Zusammenhänge ließen sich zwar erahnen, auf den tatsächlichen Täter wäre ich aber wohl nicht allein gekommen.

 

 

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Das Haus der Mädchen  |  Die Lieferung  |  Der Fahrer

 

 

Alles in Allem haben mir alle drei Bücher ausgesprochen gut gefallen. Ich mag Jens, Becca und ihre Kollegen und auch die Randfiguren waren mir sympathisch. Die Geschichten fand ich spannend und ich mag den Schreibstil des Autors. Dies werden vermutlich nicht meine letzten Bücher von Andreas Winkelmann gewesen sein.

 

 

Melanies Unterschrift3
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6 Kommentare

  1. Sabine Kettschau
    16. Juni 2020 / 11:09

    Ich hab Das Haus der Mädchen und Die Lieferung noch ungelesen da und warte auf Der Fahrer 😉

    Ich möchte Wassermanns Zorn total von ihm und Blinder Instinkt.

    Und dann gibt’s ja noch die Bücher, die er als Frank Kodiak schreibt… Schon nicht schlecht, der gute!

    Lieben Gruß
    Bine

    • 18. Juni 2020 / 14:55

      Hallo Bine,
      danke für die Buchtipps! Und das der Autor auch unter anderem Namen schreibt, wusste ich auch noch nicht. Ich werde mir definitiv weitere Thriller von ihm ansehen 🙂
      Viele liebe Grüße
      Melanie

  2. Elke S
    16. Juni 2020 / 18:44

    Liebe Melanie,
    deiner Beschreibung nach sprechen mich diese Bücher sehr an. Vielen Dank für die Vorstellung
    LG Elke

    • 18. Juni 2020 / 14:56

      Liebe Elke,
      sehr gern! Falls du mal eines der Bücher liest, berichte gern, wie sie dir gefallen haben 🙂
      Viele liebe Grüße
      Melanie

  3. Andrea
    18. Juni 2020 / 17:23

    Liebe Melanie, die Buchreihe klingt interessant, vom Autor habe ich bisher noch nie gehört, was nichts heißen soll 🙂 Bekanntlich stapeln sich bei mir ja die Altlasten auf dem SUB und da habe ich mich nicht mehr groß mit anderen Büchern und Autoren als die, die ich habe, beschäftigt. Hach, Lesen ist echt was Tolles, man kann es nicht oft genug sagen! Danke für die gelungene Rezension und liebe Grüße

  4. Naima
    23. Juli 2020 / 23:29

    Ich habe alle drei Bücher verschlungen und innerhalb von wenigen Tagen immer ein Buch gelesen. Ich lese Winkelmann einfach total gerne und auch die Figuren Jens und Rebecca sind mir ans Herz gewachsen. Ich hoffe er macht weitere Bücher mit den beiden! 🙂

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