Gelesen im Juni
Auris & Das Kind in mir will achtsam morden

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Im Juli habe ich zwei Bücher gelesen, auf die ich schon lange sehr gespannt war. Als leidenschaftliche Hörerin von True Crime Podcasts (»meine Favoriten) kam ich um ‘Auris’ nicht herum. Der Thriller wurde in einigen Podcasts beworben. Ich fand das Thema spannend und als ich das Buch neulich in einer Buchhandlung sah, habe ich es kurzerhand mitgenommen. ‘Das Kind in mir will achtsam morden’ habe ich bereits Monate vor dem Release Mitte Mai vorbestellt. Der erste Teil ‘Achtsam morden’ hatte mir ausgesprochen gut gefallen (»Rezension) und ich war gespannt, wie es weitergeht.

 

 

     

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Auris  |  Die Frequenz des Todes

 

Auris von Vincent Kliesch

“Nach einer Idee von Sebastian Fitzek”, wie immer wieder gern betont wird. Fitzek ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutsche Autoren von Psychothrillern. Die Idee hinter ‘Auris’ mag von ihm stammen und der Name auf dem Cover schadet den Verkaufszahlen sicherlich nicht, wer jedoch einen klassischen Fitzek erwartet liegt falsch. Der Autor von ‘Auris’ ist Vincent Kliesch, welcher sich unter anderem mit seinem Thriller ‘Die Reinheit des Todes’ einen Namen gemacht hat.

 

Sein Job: die Lüge zu hören

Sein Vergehen: ein brutaler Mord

Sein Status: unschuldig?

 

“Matthias Hegel, genannt „Auris“ (= lat.: das Ohr), ist ein akustischer Profiler. Die Stimme eines Täters genügt ihm, um Herkunft, Aussehen und Psyche zu ermitteln – und um Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Zahlreiche Kriminelle konnten mit seiner Hilfe überführt werden. Doch nun sitzt der renommierte Professor wegen eines Mordes in Haft, den er selbst gestanden hat.

Die junge True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge hat ernste Zweifel an seiner Schuld und will einen Justizirrtum aufklären. Doch als sie zu tief in Hegels rätselhaftem Fall gräbt, bringt sie nicht nur sich selbst in Todesgefahr, sondern auch den Menschen, der ihr am wichtigsten ist …”
(Klappentext)

 

Im Fokus steht die Radiomoderatorin und Podcasterin Jula (ohne i) Ansorge. Nachdem sie selbst ein traumatisches Erlebnis durchmachen musste ist sie True Crime Podcasterin geworden. Ihr Fokus liegt dabei auf Fällen, in denen Menschen zu Unrecht beschuldigt wurden ein Verbrechen begangen zu haben. Durch einen anonymen Tipp stößt sie auf Matthias Hegel, genannt “Auris”. Er soll eine Obdachlose brutal ermordet haben. Zwar gestand Hegel die Tat, aber Jula ist misstrauisch. Wieso sollte ein angesehener Profiler scheinbar ohne Grund einen Mord begehen? Sie gräbt tiefer und gerät schon bald selbst ins Visier eines Unbekannten, der ihre Nachforschungen mit allen Mitteln unterbinden will.

 

Der Einstieg fiel mir etwas schwer. Nicht, weil der Anfang trocken oder zäh wäre – eher im Gegenteil. Hegels erster Auftritt wirkt so überzogen cool als handle es sich bei ‘Auris’ um einen Hollywood Actionfilm mit Hegel in der Rolle des Superhelden. Und auch Julas jüngerer Bruder gerät gleich zu Beginn in eine Situation auf die er extrem tough reagiert. Ein allmächtiger Superhacker darf natürlich auch nicht fehlen. Zumindest Jula selbst wird nicht dargestellt als wäre sie perfekt. Sie wird als traumatisierte, misstrauische Frau charakterisiert, die sich gleich zu Beginn einen unnötig komplizierten Plan ausdenkt, um ihren Freund vorzuführen, der in ihren Chats schnüffelt. Ganz ehrlich, ihn mit ihrem Handy in der Hand zu erwischen hätte es auch getan. Alles in allem wirken die Figuren zu Beginn des Buches überzeichnet, übertrieben cool und damit unauthentisch. Zudem sind die Handlungsweisen und Gedankengänge einiger Personen im Laufe der Geschichte nicht immer nachvollziehbar.

 

Trotzdem habe ich das Buch innerhalb kürzester Zeit durchgelesen. Warum? Weil die Story trotzdem spannend war. Eben wie ein seichter Hollywood Actionstreifen, bei dem nicht unbedingt alles Sinn ergeben muss, um unterhaltsam zu sein. So weit, so gut. Das Ende war allerdings sehr unbefriedigend und zielt klar darauf ab, den Nachfolger zu verkaufen, der im Mai erschien – ich sage nur “Cliffhanger”.

Ich habe kurz überlegt, ob ich den Nachfolger kaufen soll. Zwischenzeitlich war das Buch ja durchaus unterhaltsam. Ich habe jedoch den Eindruck, dass alles an diesem Buch nur darauf ausgelegt ist Geld zu machen. Der Name Fitzek, der Cliffhanger, der Eindruck eines seichten Blockbusters … Deshalb habe ich mich erst einmal gegen einen Kauf von Band 2 entschieden.

 

 

       

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Achtsam morden  |  Das Kind in mir will achtsam morden

 

Das Kind in mir will achtsam morden von Karsten Dusse

Der erste Teil ‘Achtsam morden’ hatte mich richtig gut gefallen. Es vereint Krimi und Achtsamkeits-Ratgeber, gespickt mit jeder Menge schwarzem Humor und ich kann es nur empfehlen. Meine Erwartungen an das zweite Buch rund um den Anwalt Björn Diemel waren dementsprechend hoch. Der Autor Karsten Dusse ist übrigens selbst Anwalt und schreibt nicht nur witzige Krimis, sondern auch für Fernsehformate, was ihm den Deutschen Fernsehpreis und den Deutschen Comedypreis einbrachte.

 

Kindlich. Tödlich. Ganzheitlich.

 

“Björn hat die Prinzipien der Achtsamkeit erlernt, und mit ihrer Hilfe sein Leben verbessert. Er hat den stressigen Job gekündigt und sich selbstständig gemacht. Er verbringt mehr Zeit mit seiner Tochter und streitet sich liebevoller mit seiner Frau. Ach ja, und nebenbei führt er noch ganz entspannt zwei Mafia-Clans, weil er den Chef des einen ermordet und den des anderen im Keller eines Kindergartens eingekerkert hat. Warum nur kann Björn das alles nicht genießen? Warum verliert er ständig die Beherrschung? Hat er das Morden einfach satt? Ganz so einfach ist es nicht. Sein Therapeut Joschka Breitner bringt ihn endlich auf die richtige Spur:
Es liegt an Björns innerem Kind!”
(Klappentext)

 

Nachdem Björn in Band 1 nach allen Regeln der Achtsamkeit gemordet hat, soll nun Schluss sein mit dem Töten. Dabei kommt ihm allerdings sein inneres Kind in die Quere. Nun gilt es zu korrigieren, was Björns Eltern in seiner Kindheit offenbar alles falsch gemacht haben. Björn will sich Zeit nehmen, um sich um sein inneres Kind zu kümmern. Das Ziel: ein achtsames Miteinander. Keine Trotzphasen mehr, keine unbedachten Wutausbrüche. Aber just in dieser Phase der Erkenntnis und der Annäherung kommt etwas dazwischen, was sein ganzes Leben wie ein Kartenhaus zusammenbrechen lassen könnte. Also beschließt Björn notgedrungen, das Problem gemeinsam mit seinem inneren Kind in Angriff zu nehmen.

 

Ich muss zugeben, dass ich am Anfang etwas Schwierigkeiten mit dem Bild des inneren Kindes hatte. Zwar bin ich auch kein wahnsinnig achtsamer Mensch im esoterischen oder philosophischen Sinne, aber die Grundsätze dahinter fand ich nachvollziehbar und durchaus sinnvoll. Das “innere Kind” jedoch scheint mir zu fehlen. Ich kann kindischem Verhalten nichts abgewinnen und handle selten unüberlegt. Auch sehe ich den Ansatz kritisch, den Eltern die Schuld an allem zu geben, was im eigenen Leben schiefläuft. Über diesen Punkt könnte man wahrscheinlich lange diskutieren, aber darum soll es ja nicht gehen. Tatsache ist jedoch, dass ich so meine Probleme damit hatte, Björns impulsives Verhalten einfach seinem inneren Kind und dem Fehlverhalten seiner Eltern in die Schuhe zu schieben. Mir erscheint das doch ein wenig zu einfach und wirkt auf mich, als wolle man sich schlicht aus der Verantwortung ziehen.

 

Aber hey, es geht hier nicht um Philosophie oder Psychologie, es geht um ein lustiges, gut geschriebenes Buch. Und das ist ‘Das Kind in mir will achtsam morden’ durchaus. Es kommt nicht ganz so gut in die Gänge wie ‘Achtsam morden’, nimmt im Laufe der Geschichte aber an Fahrt auf und findet schnell zur alten Form zurück. Beim Lesen ertappte ich mich immer wieder dabei, wie ich entgeistert mit dem Kopf schüttelte, lachte oder plötzlich den Drang verspürte, meinem Mann einzelne Passagen vorzulesen, die ich besonders gut fand. Das Ende kam mir persönlich dann fast ein wenig zu plötzlich. Es hätte gern noch ein paar Kapitel so weitergehen können. Ich würde mich freuen, wenn es eine Fortsetzung geben würde.

 

Melanies Unterschrift1
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4 Kommentare

  1. Andrea
    11. Juli 2020 / 16:21

    LIebe Melanie, ich bin nicht sicher, ob mir diese beiden Bücher gefallen würden, es ist schon recht speziell, wie Du es beschreibst und wenn ein Buch z.B. darauf abzielt, dass man sich möglichst schnell den Folgeband kaufen soll, damit man weiß, wie es weitergeht, damit habe auch ich immer so meine Schwierigkeiten. Deswegen habe ich mir angewöhnt, wenn ich eine Buchreihe lesen möchte, zumindest den überwiegenden Teil an Büchern bereits in einem Rutsch zu kaufen, damit ich im Thema bleibe. Wenn ich dann ewig später (so ist es ja doch manchmal) erst einen Folgeband lese, ist die Handlung für mich schon nicht mehr so präsent und ich kann mich an so eniges gar nicht mehr erinnern, es sei denn, es war ein wirklich ganz tolles Buch, was mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist, was aber nicht sooo oft der Fall ist.

    Und, das andere “Problem”, wenn man bereits ein Buch gelesen hat von einem Autor und an das nächste Buch entsprechende Erwartungen (unweigerlich, ob man will oder nicht :)) hat und dann enttäuscht wird, na ja….immer irgendwie blöd. Immerhin konntest Du dem Buch ja noch etwas abgewinnen. Ich wäre bei dem Thema absolut raus, ist gar nichts für mich.

    Schönes Wochenende!

    • 23. Juli 2020 / 18:18

      Liebe Andrea,
      ich mag Buchreihen durchaus, denn ich finde es schön, mehr von einem Protagonisten zu lesen, wenn mir die erste Geschichte gefallen hat. Ich finde jedoch, dass auch die Bücher in Buchreihen durchaus zumindest halbwegs abgeschlossen sein können. Sie dürfen gern ein “großes Ganzes” ergeben und neugierig auf mehr machen. Wenn ein Buch jedoch so endet, dass man das Gefühl hat, man hätte mitten im Film ausgeschaltet, dann fehlt mir etwas.
      Dir ebenfalls ein schönes Wochenende!
      Melanie

  2. Sabine Kettschau
    22. Juli 2020 / 21:44

    Hallo Melanie!
    Ein wenig traurig stimmt mich Dein Urteil schon… Bin halt schon seit dem ersten Buch von Vincent Kliesch sein Fan und liebe die Todes-Trilogie… Und ich gab irgendwann, lange lange vor Auris öfter mal den Wunsch losgelassen, dass die beiden Berliner Jungs Kliesch und Fitzek was miteinander machen sollten. Von daher hab bin ich vielleicht etwas voreingenommen… aber ich finde die Idee hinter der Reihe total klasse. War ja von vorneherein klar, dass es eine Reihe wird und auch, dass die Teile natürlich so enden, dass man mit den Hufen scharrt… 😉 Ich freu mich auf alle Fälle jetzt schon auf den 3. Teil :)))

    Achtsam morden hatte ich mir nach Deinem Post auf die Wunschliste gesetzt,bin aber leider noch nicht zum Lesen gekommen. Aber irgendwann bestimmt. Ich hab gerade erst mal noch andere, die Vorrang haben 😉

    Liebe Grüße

    Bine

    • 23. Juli 2020 / 18:15

      Hallo Bine,

      ich denke, mit Büchern ist es wie mit Kleidung oder Nahrungsmitteln. Der eine mag es, der andere nicht. Die Grundidee von Auris mochte ich auch, deshalb habe ich das Buch gekauft. Leider hat mich persönlich die Umsetzung nicht ganz überzeugt.
      Achtsam morden habe ich erst neulich wieder verschenkt, denn ich finde es nach wie vor klasse. Ich bin gespannt, wie es dir gefallen wird 🙂

      Viele liebe Grüße
      Melanie

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